Ihr werdet Euch sicher wundern, warum wir einen Bericht aus Iran noch mal nachschieben, aber das, von dem wir nun berichten, konnten wir nicht früher schreiben. Zum einen, weil es unsere Sicherheit gefährdet hätte, zum anderen, weil wir diese Erfahrung erst verarbeiten mussten. Es sind nun etwa zwei Wochen vergangen, dass wir in Iran verhaftet wurden. Zwei Tage und zwei Nächte verbrachten wir in unterschiedlichen Gefängnissen der Polizei, anschließend des Militärs, wurden der Spionage angeklagt, stundenlang verhört, bei Ortswechsel wurden uns die Augen verbunden, so dass wir nichts und niemanden sehen konnten. Bei Fahrten im Auto mussten wir zusätzlich die Köpfe herunternehmen, damit die Bevölkerung nicht sehen konnte, wie wir mit Augenbinden durch die Stadt rasten. Es wurde uns alles abgenommen, wir durften keinen Kontakt zur Botschaft aufnehmen, saßen in Gefangenenkleidung in Einzelhaft und als dann die Anklage gegen uns durch einen iranischen Richter erhoben wurde, wich unsere letzte Hoffnung, hier schnell herauszukommen.

Wir haben uns schon monate-, wenn nicht jahrelang weggesperrt gesehen, bis sich dann doch das Blatt wendete. Die Verlorenheit und Einsamkeit dabei kann man sich wohl erst vorstellen, wenn man solch eine Situation am eigenen Leib erlebt - was wir niemandem wünschen. Das schlimmste Gefühlt von allen, wenn man alleine in der Zelle auf dem Boden lag, war die Ungewissheit, wie es denn nun weitergehen würde. Mahir, ein Mitarbeiter des Militärs, der auch für uns dolmetschte, versuchte uns am zweiten Tag zu beruhigen und gab uns zu verstehen, dass er uns helfen wollte, als er bemerkte, wie Susannes Nerven mehr und mehr aufgaben.

Was war eigentlich geschehen? Zwei Tage zuvor sind wir sehr früh am Morgen aus Gamreh aufgebrochen, um die Dasht-e Kavir bei erträglichen Temperaturen zu durchqueren. Als wir gegen 10:00 Uhr in Mo'Aleman ankamen, schien der Rest der Tagesetappe nach Semnan eine Kleinigkeit. Nach einer obligatorischen Polizeikontrolle bogen wir von der Hauptstrasse nach Westen ab auf die Landstrasse, die nach Semnan führt, wie es uns unsere Navis und unsere Landkarte zeigte. Es folgten 80 km Fahrt durch einmalige Landschaft und uns begegneten gerade mal zwei Fahrzeuge und eine Schafherde, als wir nach einer Rechtskurve plötzlich an einem Militärposten ankamen, von dem wir zunächst dachten, es sei die Zufahrt zu einer Minengesellschaft - bei dem ganzen Kupfer, das hier aus der Erde kommt. Unsere Enttäuschung war schon groß, als wir annahmen, wir müssen jetzt einen langen Umweg nehmen und die ganzen 80km zurück fahren. Bis wir dann die Zäune bemerken, die uns unmissverständlich signalisierten, dass wir nicht vor, sondern im gesperrten Gebiet standen. Entsprechend auch die Reaktionen der Wachleute, die uns aufgeregt mit großen Augen anschauten und unser Eintreffen sichtlich nicht fassen konnten. Wir waren versehentlich in eine sogenannte "forbidden zone" geraten und haben dann dabei auch noch fleißig gefilmt...

Im Nachhinein können wir nur von Glück sagen, dass wir nun in Buchara/Usbekistan im Schatten sitzend diese Zeilen schreiben können, denn der Konflikt Irans mit der Staatengemeinschaft und insbesondere mit Israel ist verdammt ernst und wer weiß, was da gewesen ist. Wir können Gott sei Dank nur mutmaßen. Es mag vielleicht erstaunlich klingen und der eine oder andere mag sich nun an das Stockholm-Syndrom erinnert fühlen, aber wenn man die Situation und Umstände nüchtern betrachtet, hat uns das Militär - im Gegensatz zur Polizei, und hier vor allem ein bestimmter Mann - sehr zuvorkommend behandelt. Wir glauben, dass sie sehr darauf bedacht waren, trotz der Umstände ein gutes Bild abzugeben.

Die Geschichte hatte hier noch nicht ihr Ende gefunden und wir haben nur einen kurzen, unvollständigen Abriss der Geschehnisse geschildert. Bei Gelegenheit werden wir diese Tage und was danach noch alles geschah, detaillierter als heute aufschreiben.

Kommentare   

0 #8 Denny 2013-10-06 14:05
Hallöle Ihr beiden,
wir sind mittlerweile auch aus dem Iran zurück. So ausführlich wie Ihr konnten wir aufgrund Zeitmangel zwar nicht schauen, aber doch einen ganz guten Eindruck erlangen. Die Obrigkeit ist nicht ganz zu unterschätzen - man hat uns doch zwei, dreimal entsprechend hinterherschlaw inert. Abgesehen davon war es aber eine unglaublich herzliche Erfahrung. Entsprechende Informationen im angefügten Link.

Ich wünsche Euch beiden noch viel Spaß & eine gute Reise!
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0 #7 Tobi 2013-10-05 12:43
Ui krass hab gerade den Reisebericht von 1world2go gelesen...der Junge ist an der gleichen Stelle verhaftet worden ihn hat vorher niemand an einem Checkpoint aufgehalten als er von Westen nach Osten fahren wollte...
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0 #6 Thomas 2013-06-27 07:33
Hallo Denny,

das ist genau die Route, die Ihr nicht fahren solltet. Hinter Semnan bis zu der Kreuzung, an der Ihr auf die 81 kommt, ist die sogenannte "fobidden zone". Aber tröstlich ist, wenn Ihr von West nach Ost fahrt, werden Ihr ohnehin an dem Checkpoint hinter Semnan abgewiesen. Auf der Seite ist nämlich einer.

Kennzeichen für Motorräder hatten sie in Khoy keine, also meinten sie, wir sollen so fahren. Haben wir dann auch gemacht und niemand hat sich daran gestört. Ich glaube, außer den Deutschen und vielleicht einem Grenzer kennt die Regel keiner im Land.

Viele Grüße,
Thomas
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0 #5 Denny 2013-06-25 16:14
Hallöle Ihr beiden, juut, daß Ihr wieder draußen seid - da werdet Ihr noch als Rentner drüber schwadronieren...

Dürfte ich Euch zwei Fragen stellen (bin demnächst auch im Iran unterwegs):

1.) Konnte Mo'Aleman nirgends finden. Wo liegt das - damit wir nicht auch reintappen beim Durchqueren der Dasht e Kavir? Zufällig auf folgender Route: http://www.motoplaner.de/#36.97092,56.29817;1,35.68184,55.03876;1,35.52373,53.53577;1&&0

2.) Kennzeichen bei länger als 10 Tage im Land: Habt Ihr die benötigt? Zeit für Anmeldung, Kosten?

Habt vielen Dank im Voraus für die Infos - man findet nichts diesbzgl. Und drum bun - gute Reise... ;)
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0 #4 Panny 2013-06-08 03:53
Hallo Ihr beiden!

Was für eine krasse Geschichte!
99% aller Motorrad-Globet rotter, die ich kenne, erleben nichts auch nur ansatzweise vergleichbar Dramatisches!
Offensichtlich nehmt Ihr das mit der ABENTEUER-Reise ernst.

Auch wir hatten erst jüngst wieder den Fall, daß uns das GPS in ein militärisches Sperrgebiet hier in Indien geführt hat. Allerdings bei uns ohne fatale Folgen! Ergo kann ich gut nachvollziehen, wie leicht sowas passieren kann.

By the way: hatten das Militär keine Problem damit, daß Ihr ein GPS hattet?

Wir sind froh, daß Ihr da raus seid.
Laßt Euch nicht entmutigen!

Gruß aus dem Himalaya

Panny
www.krad-vagabunden.de
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+1 #3 Axel 2013-06-06 16:26
Hallo Ihr Lieben,

Ich habe an Michaels Geburtstag von eurem Gefängnisaufent halt gehört.
Meine Güte ist mir da das Herz in die Hose gerutscht. Um so erfreulicher das es euch wieder gut geht und es weiter geht.
Ich hoffe das der weitere Reiseweg nur noch mit erfreulichem gesegnet ist.
Ich denke an euch und drücke alle Daumen.

Liebsten Gruß aus dem Dorf.

Axel
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+1 #2 Karsten 2013-06-06 13:38
Hallo Susanne, hallo Thomas,

ich bin doch sehr erschrocken über euren neuen Beitrag. Fast täglich schaue ich vorbei und freue mich ein wenig mit euch "reisen" zu können. Vor allem die positiven Dinge die ihr über die Menschen denen ihr begegnet seit und die Länder die ihr bisher bereist habt haben mich sehr gefreut. Und dann diese Beitragsüberschrift....

Ich hoffe und wünsche es mir für euch, dass es von jetzt ab wieder nur schöne und erlebnisreiche Reisetage geben wird und wir uns in absehbarer Zeit zum AT-Stammtisch in Duisburg wieder sehen.

Gruß Karsten
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+1 #1 Bettina 2013-06-06 12:05
OMG, ich dachte mir schon soetwas, dass ihr evtuell in dieser Situation wart. Wir sind froh das ihr beiden wieder unterwegs seit.Ich und Micha denken tatsächlich täglich an euch und ein sicheres Geleit!
In Gedanken sind wir bei euch....6
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