18.04.20013
Unser Vorhaben, gleich nach dem Frühstück von Patara aufzubrechen, wird durch ein Mordsgewitter ausgebremst. Na, lieber noch hier auf der überdachten Terrasse verweilen, als von den herunterkommenden Hagelkörnern verbeult zu werden! Der Vater unseres Gastgebers greift flugs zur Bosch, um den Regenmassen, die von hinten über die Terrasse strömen, einen Weg zu bahnen. Und zwar dadurch, dass er dicke Löcher in den Terrassenboden bohrt. Gar nicht so einfach, denn ständig fällt der Strom aus, was sogar der hiesige Muezzin beim Versuch, das Gebet auszufufen, zu spüren bekommt, als laufend die Lautsprecheranlage am Minarett ausfällt. Aber bald verziehen sich die Wolken, und wir folgen im Trockenen der Küstenstraße nach Osten. Die Strecke führt nach einiger Zeit auf 500 m Höhe durch die Ausläufer des Taurus, und nach einer Kurve geraten die Fuhren mächtig ins Schlingern. Die ganze Fahrbahn ist mit Hagelkörnern bedeckt! Alles gut gegangen, damit haben wir nicht gerechnet (tun wir aber in Zukunft) und mit Schleichtempo geht es durch das unverhoffte Weiß. Immerhin 5 cm hoch liegt der Mist …
Wie schon bei einem kurzen Abstecher ins Zentrum vom schön in einer Bucht gelegenen Marmaris versuchen wir im Zentrum von Kemer, an ein neues Teleobjektiv als Ersatz für unser zerstörtes zu kommen. Fehlanzeige - lustig sind aber die netten Unterhaltungen mit deutschen Touristen, die uns auf der Straße ansprechen (Was, ihr seid mit den Motorrädern hier? - Antwort: Wie, ihr seid mit dem Bus hier?)!
Weiter geht es im Sonnenschein - Antalya erscheint uns als Millionenstadt in Sachen Objektivbeschaffung sehr vielversprechend zu sein. Der Verkehr beängstigend, bahnen wir uns mit unseren bepackten Mopeds einen Weg, denn rücksichtslos wird im Feierabendverkehr gedrängelt, geschubst und geschnibbelt, und die permanent eingesetzte Hupe dient den Autofahrern hier nicht ausschließlich dazu, seine Kumpels zu grüßen. Richtig bedenklich finden wir es, als sich von hinten ein Ambulanzwagen im Einsatz seinen Weg zu bahnen versucht - die Hälfte der Fahrer bildet eine Gasse, die andere Hälfte nutzt die Gasse, um sich vor den Rettungswagen zu drängeln und alles hoffnungslos zu verstopfen. Noch 10 Minuten später steht dieser Wagen gerade mal 50 m vor uns im Stau, echtes Unglück für den Patienten.
Das gewünschte Objektiv gibt es hier bei Garanti Elektronik, eine Empfehlung eines türkischen Ladeninhabers, natürlich nicht.
Einige Kilometer vor Side erwischt uns ein Wolkenbruch, und bereits im Dunklen kommen wir in der Stadt an. Side kennen wir aus Prospekten als Hochburg des Massentourismus, und richtig: Bereits 20 km, bevor das Navi den Ortskern erkennen lässt, reiht sich Riesenhotel an Monsterunterkunft. Nicht ganz so hässlich wie zum Teil an der spanischen Küste, aber die Ausmaße sind durchaus vergleichbar. Was sollen wir machen - es regnet, es ist dunkel, also her mit einer Unterkunft. Und wenn schon, dann ganz mittendrin. Überraschenderweise passieren wir nun antike Ruinen, keine Spur mehr von Riesenhotels. Statt dessen sehen wir am Beginn der kleinen Landzunge, auf der seit 2.800 Jahren Alt-Side liegt, gleich gegenüber des alten Amphitheaters eine geöffnete Schranke. Wir knattern durch, fahren durch verlassene enge Gässchen, vorbei an bereits geschlossenen Läden bis zur trotz des Regens malerischen kleinen Strandpromenade. Hier, am Ende des Landes, entdecken wir zwischen anderen kleinen Häuschen das hübsche Beach House Hotel, und nachdem Thomas im Regen des Preisvergleichs wegen noch Erkundigungen in zwei benachbarten Pensionen eingeholt hat, platschen wir triefnass am Rezeptionisten und an zwei verdutzten Kellnern vorbei in ein sehr nettes Zimmer. Ein perfekter Stützpunkt, um trocken zu werden und sich in Ruhe der theoretischen Objektiv-Neubeschaffung zu widmen (d.h. per Internet, möglicher Postversand, Mitnahme durch Reisende, Kauf in der Türkei …)!

Side ist eine Nummer für sich - immer noch erkennt man in der Altstadt Cafés und Restaurants, die aus den 70ern stammen, der "Gründungszeit" des Tourismus hier. Sie sind es, die uns anziehen, mit ihren zusammengewürfelten Tischen und Korbstühlen, der Reggae-Musik, den Abhänge-Lümmelecken mit Kissen und Teppichen und der tollen Wirtlichkeit. Und dann gibt es hier den Rummel um die "Original Kopien", die tatsächlich so angepriesen werden. Da noch keine Saison ist, stürzen sich alle Verkäufer mit Wonne auf uns. Aber am dritten Tag kennt man uns und weiß auch meistens schon, dass wir mit den Motorrädern unterwegs sind und sowieso nichts mit uns rumschleppen können, und so versuchen nur noch die Uhrenverkäufer, ihr Geschäft mit uns zu machen (bisher vergeblich).
Nachdem sich nun herauskristallisiert, dass wir uns von Deutschland aus per UPS ein Objektiv zusenden lassen können, warten wir hier drei (sehr angenehme) Tage ab. Nichts, was auch nur annähend nach UPS aussieht, erreicht uns. Die Kommunikation mit den verschiedenen Beteiligten erspare ich mir an dieser Stelle … Da wir mal wieder weiter wollen, lotsen wir das Päckchen in die Zentraltürkei um, nach Kappadokien. Mal sehen, ob es uns jemals erreichen wird!

Beginn der verhagelten Strecke.An der Küste bei Kas empfängt uns wieder Sonnenschein.Verpflegung unterwegs: typische Lokanta mit günstigem und sehr leckeren Essen.Wieder nichts ...Tappen im Dunkeln: Ankunft in Side im Regen.tr-side-206.jpgtr-side-207.jpgApollo-Tempel oder was davon übrig ist.Türkische Apothekenauslage.Fast wie zuhause, aber auf 6 qm.tr-side-211.jpgtr-side-212.jpgtr-side-213.jpgtr-side-214.jpgAntonios Bar. Koch und Besitzer machen Live-Musik.Strandimpressionen. Wenige Schritte hinter der Altstadt.tr-side-217.jpgtr-side-218.jpgZur Abreise aus Side versammelt: die Mannschaft des Beach House Hotel.

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