20.06.2013 - ca. 12.600 km

Der Müßiggang hat ein Ende! Der Berg ruft - vielmehr ganz viele, ganz hohe Berge, und wir brechen von Duschanbe auf in Richtung Pamir. Wir haben uns eigentlich (was für ein schönes Wort …) dazu durchgerungen, über den Sharidasht-Pass nach Khorog zu gelangen, obwohl es in den vergangenen Tagen in den Bergen geregnet hat und dieser Passweg (ich vermeide das Wort "Straße") nicht mehr gepflegt wird. Aber wir wollen Versuch machen, und falls uns die Überquerung nicht gelingt, umkehren und die südlicherer Route über Kulyab nehmen. An der entsprechenden Abzweigung zweigen wir falsch ab und betrachten das als eine Art Schicksalswink, will heißen, wir folgen der Südroute. Von der erzählte man uns, sie sei völlig überlastet von Taxen und Lastern, die nach China wollen oder dort herkommen - das Gegenteil ist der Fall, wir begegnen kaum jemandem. Vor die erhoffte kühle Bergluft hat irgendwer noch eine heiße Ebene platziert, damit haben wir ja inzwischen schon ausreichende Erfahrungen sammeln können. Dann aber geht es in die Höhe, und wir bekommen die ersten Aussichten auf das, was uns wohl erwarten wird. In der Ferne schneebedeckte Gipfel, die Straße (ich meine Piste) windet sich über kleinere Pässe und durch schöne Täler.
Mit der Hitze des Nachmittages steigt auch die Hitze in unseren Klamotten, die wir immer wieder an Quellen und Brunnen am Straßenrand nass machen. Das Wasser bildet dann zusammen mit unserem Schweiß und dem Staub gelegentlich uns entgegen donnernder Laster und Jeeps eine Art natürlichen Sonnenschutz auf all unseren Oberflächen. Wir gelangen an eine Tankstelle, an der der Betrieb nur durch ZWEI Angestellte gesichert ist: einer hält den Rüssel in den Tank, der andere im Häuschen macht auf Zuruf den Hahn auf oder zu. Der Rüsselhalter ist einen Moment abgelenkt, und ich bekomme eine ordentliche Ladung Benzin auf die Oberschenkel! Sofort setzt das Brennen ein, und ich erinnere mich mit Schrecken daran, dass Benzin nach einiger Zeit die Haut ablöst. Also tobe ich etwas herum. Und will sofort die Hose wechseln und meine Beine abwaschen. Das gestaltet sich nicht schwierig, meine Körpersprache wird verstanden und in werde in das Schlaf-Ess-Was-weiß-ich-Zimmer der Tanke geleitet. Einrichtung: ein Teppich. Der sieht nun vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit Wasser, als ich dort meine Beine abschrubbe und die Hose wechsle. Glücklicherweise, denn es brennt fürchterlich und wird schon rot. Die Sache geht aber noch gut. Am blödsten finde ich, dass der Rüsselhalter sich noch nicht einmal entschuldigt.

Nach 300 km Staub, Gerappel und Geklötere wollen wir dann auch nicht mehr auf die schöne Berglandschaft gucken, nicht heute. Wir wundern uns, wie die Motorräder diese Beanspruchung ohne zu Murren aushalten. Der letzte Stopp des Tages ist an einer Art familiär geführtem Teehaus, wo wir fragen, ob wir dort auch übernachten könnten. Wir haben nämlich unter dem großen Apfelbaum eines dieser Riesendiwan-Abhänge-Gestelle erspäht, auf die man trefflich seine Luftmatratze positionieren könnte - der Besitzer ist einverstanden, und wir schlafen gleich am Ufer des Panj (dem Grenzfluss zwischen Tadschikistan und Afghanistan) zumindest hinter einem Zäunchen. Man empfahl uns nämlich dringend, in dieser Gegend nicht wild zu campen, da der Grenzhandel mit Drogen gelegentlich nicht in beiderseitigem Einverständnis stattfindet. Erstmal duschen! So, die einzige Wasserstelle für sein Gasthaus und die elf Kinder ist ein dicker Schlauch in einem Becken vorn am Tor, aus dem Tag und Nacht Bergwasser läuft. Mittels einer weniger ausgeklügelten als einfachen Konstruktion wird dieser Schlauch zum Duschen auf einen anderen gesteckt, der in einer stockfinsteren Banja im Hof endet. Strom gibt´s nur morgens und abends, so reicht er mir zur Erhellung seine dicke Taschenlampe. Überraschenderweise ist das Wasser fast handwarm und nicht wie erwartet eiskalt, und so können wir uns ohne Bibbern den Staub abspülen. Als ich die Taschenlampe ausschalte, bekomme ich ordentlich eine gewischt, irgendwie ist die Isolation nicht Feuchtraum-geeignet …

Thomas hat sich derweil auf dem Diwan schon häuslich eingerichtet, und er schläft wie im Abraham´s Schoß. Ich nicht so ganz, weil ich überall Schmuggler und subversive Elemente vermute in der stockdunklen Nacht. Eine besondere Herausforderung ist es, als ich mitten in der Nacht das Toilettenhäuschen am anderen Ende des dunklen Gartens aufsuchen muss.
Beim Aufwachen ist unser Diwan umringt von Tischen, die mit Truckern voll besetzt sind. Auch sie wissen dieses schöne schattige Plätzchen zu schätzen und wundern sich nur über das Lager in ihrer Mitte.

Kommentare   

0 #1 Uwe Ellger 2013-06-20 14:11
Hallo Ihr Zwei,
Wahnsinnsbilder!
Die Gegend war für uns die schönste auf der gesamten Reise nach Singapur.
O.k.- vielleicht mit Osttibet!
Hoffe Ihr fahrt durch den Wakhan Korridor. Das wird noch mal ne Steigerung- allerdings wirklich tough.
Liebe Grüße aus München
Isabel und Uwe

....und unser Zelt stand zu ähnlichem Preis am gleichen Fleck.
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