24.08.2013 - 19.040 Kilometer

Vorweg: Das Transport-Problem mit dem obligatorischen Guide ist gelöst. Das deutsche Paar im Bremach-Expeditionsmobil schickt seine sowieso nicht mehr gewollten Fahrräder auf Kosten der China-Agentur nach Hause, der Guide kommt tagsüber für die Fahrten bei ihnen rein.

Auf guter Straße verlassen wir Kaschgar Richtung Süden und passieren einige Mautstellen, an denen wir beide uns aber rechts vorbei mogeln dürfen, da Motorräder hier nichts zahlen müssen. Von den häufigen Passkontrollen bleiben aber auch wir nicht verschont.

Kaschgar liegt in einer riesigen Oase, die bereits nach einigen Kilometern der Westflanke der Taklamakan weicht. Steppe und Dünen bestimmen nun die Landschaft. Wir kommen gut voran, bis die Straße gesperrt ist. 50 m vor uns liegt ein Toter auf der Straße, überfahren von einem der rasenden Autofahrer, dessen Wagen auf einem Brückengeländer aufgespießt ist. Mit Gänsehaut unter der Motorradjacke umfahren wir die Unfallstelle querfeldein.


Die Straßen des Himalaya - schwindelerregend

Nachdem wir täglich Pässe von bis zu 5.400 Metern überfahren, versucht der Guide dafür zu sorgen, dass wir stets tiefer zum Schlafen kommen, um nicht an der gefürchteten Höhenkrankheit zu erkranken. So auch am Nachmittag eines Tages, an dem wir beschließen, nahe einem Dorf auf 4.200 Metern Höhe zu campen und nicht weiterzufahren, da es einer Reisenden nicht so gut geht. Auf Nachfrage bei Basang, unserem tibetische Guide, wären es bis zur nächsten "tiefen" Stelle noch drei Pässe und 160 Kilometer, die die Gruppe heute besser nicht mehr fährt. Da sich der von den beiden Autofahrern ausgesuchte Campplatz leider als für uns ungeeignet zum Zelten herausstellt, weil dort überall dicke Felsbrocken und Steinplatten herumliegen, wollen Thomas und ich unser Zelt ein wenig weiter den Fluss hinauf aufstellen.

 

Es kommt ganz anders. Eine unfreiwillige Nacht auf 5.200 Metern wird der blanke Horror. Die Kopfschmerzen werden unerträglich, Schwindel und Übelkeit plagen uns. An Schlaf ist nicht zu denken, und wir bekommen es mit der Angst zu tun.

In der Nacht beginnt es zu schneien.

Am Morgen geht es Thomas glücklicherweise bereits besser, mir dagegen zunächst nicht, und der anwesende freundliche Offizier erwägt, mich mit einem passierenden Mititärkonvoi zurück in die Tiefe, 200 km entfernt, zu bringen. Ich bekomme auf meinem Lager Sauerstoff zum Einatmen und heißen Yak-Buttertee zu trinken, werfe zwei Aspirin hinterher - und bin innerhalb von knapp zwei Stunden wieder halbwegs hergestellt. Der Schnee beginnt zu tauen.

Gegen zwölf Uhr kommt unsere Gruppe am Posten an. Der Schweizer Landrover-Fahrer, der meine über Nacht entladene Alp mit seinem Wagen anzieht, bietet sehr freundlich an, die Alp ein Stück des Weges zu fahren, aber ich will es zunächst vorsichtig selbst versuchen - sehr zum Leidwesen der jungen "Übersetzerin", die mich ins Herz geschlossen hat und sich auch Sorgen macht. Der junge Offizier freut sich sehr über die Angel, die Thomas ihm zum Dank zum Geschenk macht.
Aber es geht, trotz Matschpassagen und weiteren Flussdurchfahrten, die wir gemeinsam bewältigen, geht es uns mit jedem Meter, den wir tiefer rollen, besser!
Und Tibet breitet sich in seiner ganzen Gewaltigkeit und einsamen Stille vor uns aus. Wir wollen versuchen, das extrem abgelegene alte Königreich Guge zu erreichen!

Kommentare   

+1 #2 Thomas 2013-08-28 14:09
Hallo Marcus,

vielen Dank für die Blumen. Es freut uns sehr, wenn unsere Berichte und Bilder von unterwegs so einen Anklang finden.

Zu den Stühlchen: sie sind von Globetrotter und heißen Meru Palmasola. Sie haben zwar miese Kritiken, die wir aber nicht teilen können.

Bei uns halten sie.

Viele Grüße,
Susanne & Thomas
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0 #1 Marcus 2013-08-28 13:31
Ich habe euren Blog bis jetzt mit einer Mischung aus Respekt, Faszination und "Neid" gelesen! ;-) Absolut gigantisch. Tolle Fotos!!!
Eine Frage hätt' ich. Welche "Stühlchen" schleppt ihr da mit, bin noch auf der Suche nach klein klappbaren, und brauchbaren...
Ganz viel Glück weiterhin - Marcus
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