Von Turkmenistan nach Buchara

04.06.2013 - über 11.000 km

Als wir am Morgen im Hotel in Aschgabat vom Frühstück kommen, wundern wir uns über die am Eingang vorfahrenden Staatskarossen, allesamt mit Standarten ausgestattet. Herren in Anzügen und Scheichs in Gewändern entsteigen den blinkenden Wagen und versammeln sich zunächst in der Lobby. Wir sichten auch die deutsche Abordnung und erfahren, dass hier heute eine Konferenz tagt, zu dem auch der türkische Staatspräsident erscheint. Wir vermuten, dass es um Gasgeschäfte geht, denn davon hat Turkmenistan genug anzubieten. Es ist schade, dass wir aufgrund des Fotoverbots auf dem Parkplatz keine Bilder machen dürfen, denn inmitten der wartenden Chauffeure mit ihren Karossen stehen unsere verstaubten Motorräder und werden begutachtet.

Wir nehmen entspannt, da unwissend, die 400 km lange Stecke bis zur Stadt Mary unter die Räder. Die Entspannung legt sich schnell, eine solch schlechte Straße über eine so lange Distanz sind wir noch nicht gefahren. Tiefste Schlaglöcher, die nur Slalom zulassen, dazu Spurrillen im von der Hitze aufgeweichten Asphalt lassen eigentlich nur Schleichfahrt zu. Wenn wir mal Gas geben, wird das gleich mit materialmordendem Klötern unserer Maschinen quittiert. Und das bei wüstenartiger Steppenlandschaft und stetig steigender Temperatur. Wir sind immerhin mit unseren klatschnassen Hyperkewl-Westen unterwegs, das hält die Hitze vom Körper ab (solange das Wasser nicht verdunstet. Danke an Stéphane, ohne die Dinger wäre es viel schwerer gewesen!).

Es dauert nicht lange, da höre ich ein wirklich ungewohntes Geräusch unter mir. Der linke vordere Kofferträger ist gebrochen. Wir halten in einem Dorf und fragen den Erstbesten, der herumsteht, ob er weiß, wo man das reparieren kann. Dazu baut Thomas das Teil ab, und der Mann verschwindet damit in der nächsten (!) Hofeinfahrt. Und kommt nach drei Minuten mit dem geschweißten Teil wieder raus. Wir sind ihm so dankbar, dass wir weiterfahren können! Preis dafür: umgerechnet 5 EUR.

Nach weiteren 100 km Holperhorror bricht dann der linke vordere Kofferhalter. Leute, die Hepco & Becker-Träger sind nicht stabil genug für solche Strecken! Diesmal ist kein Schweißer in der Nähe, und wir sichern das Dingen mit einem Gurt. Irgendwann kommen wir in Mary an … und bleiben den nächsten Tag einfach auch noch hier, um uns und das Motorrad zu pflegen. Immerhin haben wir ja ein Drei-Tage-Visum. Morgens also erstmal zum Schweißer um die Ecke, der die Sache wieder fixt und mit dem wir noch Tee trinken. Später am Tag macht Thomas einen mittlerweile wieder fälligen Motorradservice auf dem nun schattigen Parkplatz vor dem Hotel, bei dem wir feststellen, dass mein Hinterrad gewaltig Luft lässt. Und damit am nächsten Tag durch die andere Hälfte der Halbwüste bis nach Usbekistan? Auf keinen Fall, unser Verdacht, dass sich bei der Mörderstrecke der Flicken aus der Türkei gelöst hat, bestätigt sich, nachdem Thomas das Rad ausgebaut und mit einem angehaltenen Wagen zum nächsten Reifenmann gefahren ist. Der verpasst dem Schlauch gleich mal einen turkmenischen LKW-Flicken, von dem er sagt: "Der macht alles mit!". Die deutsche Flicken taugen hier nichts, meint er noch zu Thomas.

Die Strecke am nächsten Tag ist glücklicherweise besser als erwartet, und irgendwann stehen wir an der turkmenisch-usbekischen Grenze. Denken wir. Aber die offiziell anmutende Bude am Straßenrand, inmitten dutzender wartender LKW, ist zunächst dazu vorgesehen, die Brückengebühr für die Überquerung des breiten Amurdarja abzukassieren. Und zwar richtig, zumindest von uns. 

Wir entdecken noch, dass der rechte Kofferträger an der Schweißnaht von gestern wieder gebrochen ist, egal jetzt, Gurt drum, darum kümmern wir uns später in Buchara.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir Buchara, ein weiterer Traum aus 1.000 und einer Nacht nach den Städten im Iran! Untergekommen in einer fast 300 Jahre alten, zur Herberge umbebauten Medrese (ursprüngliche Philosophieschule), fühlen wir uns wie Prinzen - so schnell geht es vom Dreck der Straße in traumhafte Städte hier! Wir werden in den nächsten Tagen die Umgebung erkunden, alles macht einen lebendigen, fröhlichen Eindruck hier und das Stadtzentrum Bucharas lockt mit orientalischer Schönheit. Allerdings herrschen gerade affenartige Temperaturen, um die 40 Grad am Nachmittag, so dass wir uns dem Verhalten der Bevölkerung anpassen und zwischen 12 Uhr und 17 Uhr nichts machen. In Aschgabat lernten wir einen netten Engländer kennen, der mit seiner BMW von London nach Australien unterwegs ist und mit dem wir einige Tage in derselben Herberge hier in Buchara verbringen und eine Menge Spaß haben.

Kommentare   

0 #4 Susanne 2013-06-05 11:57
Hi Dirk,
ja, der Enthusiasmus hier ist überwältigend, meist sind die Leute kaum zu bremsen! Er hatte aber glücklicherweis e Ahnung von der Sache und vorher die entsprechenden Teile abgebaut :lol:
Gruss
Sanne
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0 #3 Dikki 2013-06-05 09:32
Hallöle!
Das mit dem "übernacht schweißen" hätte auch -elektrotechnis ch- ins Auge gehen können, aber es hat ja anscheinend funktioniert.
Also weiterhin viel Glück!
Gruß: Dirk
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0 #2 Thomas 2013-06-04 19:03
Hallo Evi,

na das ist ja ein netter Kommentar. Und vor allem freut es uns, wenn unsere Berichte diese Wirkung haben. Wir bemühen uns weiter :-)

Viele Grüße aus Usbekistan,
Susanne & Thomas
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0 #1 Evi 2013-06-04 18:57
Hallo Ihr Zwei,
wir kennen uns zwar leider nicht persönlich, wir sind aber bei der Suche nach Reisenden im Pamir über Eure Seite gestolpert und verfolgen seit einiger Zeit Eure Berichte. Und ich muss sagen, ich freue mich immer wieder, wenn es einen neuen Beitrag gibt. Ihr schreibt so nett, dass ich direkt aus dem Alltag nach Zentralasien fliege und statt der Autobahn das Markttreiben der Seidenstraße vor meinem Fenster vermute. Wir sind letzten Sommer mit den Motorrädern im Pamir gewesen und ich bin schon gespannt auf Eure Berichte aus Tadschikistan.
Viele Grüße aus dem fernen Deutschland. Evi
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