Yazd/Iran, 19.05.2013

Hallo liebe "Mitreisenden"!

Wir haben uns entschieden, unsere Berichterstattung per Fezbuk (der Name wurde vom Autor geändert) aufzugeben. Sich mit dem User-Support von Fezbuk herumzuschlagen, kostete uns nur Nerven und Zeit, die wir besser in Bilder und Berichte von der Reise investieren.

Hier zum Verständnis ein kurzer Abriss, was passiert ist.

Nachdem wir in den Iran eingereist sind, haben wir feststellen dürfen, daß verschiedene Seiten hier gesperrt sind. Spiegel, die Welt, Google Maps und andere Google-Dienste, Wordpress.com und viele andere mehr. Aber als Iraner ist man ja nicht dumm, sondern schafft sich schon seine Freiräume. So wir auch. Irgendwie hat dann aber Fezbuk gemeint, da ruft jemand aus dem Iran die Seiten auf, das Konto muß gehackt sein und wir wurden gesperrt - wohlgemerkt von Fezbuk!

Wir könnten - so Fezbuk - das Konto aber wieder entsperren, wenn wir unsere Original-Hardware verwenden, mit der wir uns zuletzt bei Fezbuk angemeldet hatten. Da wir ja unterwegs nicht den Rechner gewechselt hatten, wußten wir, daß diese Aussage ebenso großer Quark war, wie viele, die noch folgten.

Als nächstes setzte sich Hannelore (der Name wurde von uns geändert) von den User Operations von Fezbuk per eMail in Verbindung. Wenn wir die Wiederherstellung nicht hinbekommen, sollten wir als Nachweis einen Lichtbildausweis einsenden. OK - per eMail einen Scan des Ausweises zu versenden, ist nun nicht gerade sicher, da das eMail-Protokoll nicht verschlüsselt wird, aber was sollten wir machen. Antwort-eMail an Fezbuk verfasst und einen Scan des Ausweises angehängt.

Hier die Originalantwort, die wir dann von Hannelore von den User Operations von Fezbuk einen Tag später erhielten:

"Hallo,

Dein Konto wurde gesperrt, weil unser System festgestellt hat, dass es gehackt wurde. Bevor wir Dein Konto reaktivieren, musst Du Deine Identität bestätigen.Bitte antworte auf diese E-Mail und füge der Antwort ein Bild Deines amtlichen Ausweises bei.

Der von Dir beigefügte Ausweis:- Muss von einer Regierungsbehörde ausgestellt sein (z. B. Pass, Führerschein).- Muss farbig sein.- Dein vollständiger Name, Dein Geburtsdatum und Dein Foto müssen gut zu erkennen sein.

Füge bitte außerdem eine amtliche Registrierungsbescheinigung oder einen anderen Nachweis Deines Unternehmens bei, wie z. B.:-

    • Gas-, Wasser- oder Stromrechnung
    • Lokale Gewerbeerlaubnis (ausgestellt von Deiner Stadt, Deinem Landkreis, Deinem Bundesstaat usw.)
    • Steuerabrechnung
    • Gründungsurkunde (für eine Partnerschaft)
    • Gesellschaftssatzung (für ein Unternehmen)
    • Schriftliche Bestätigung von dem Unternehmen oder der Organisation mit einem Briefkopf, der darauf hinweist, dass dieses Konto gehackt wurde …". So, hier kürzen wir die eMail einfach mal ab.


Hannelore hatte anscheinend unsere erste Mail nicht richtig gelesen. Schließlich hatten wir ja den Personalausweis beigefügt. Aber sei's drum. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Also kurz eine Antwort verfasst, nochmal den Scan des Ausweises angehängt (hatte ja schon was zum Thema Sicherheit dazu geschrieben) und mit der Information versehen, daß wir kein Unternehmen sind.

Prompt kam die Antwort von Hannelore von den User Operations von Fezbuk:

"Hallo,

Danke für Deinen Ausweis. Füge bitte außerdem eine amtliche Registrierungsbescheinigung oder einen anderen Nachweis Deines Unternehmens bei, wie z. B.:

    • Gas-, Wasser- oder Stromrechnung
    • Lokale Gewerbeerlaubnis (ausgestellt von Deiner Stadt, Deinem Landkreis, Deinem Bundesstaat usw.)
    • Steuerabrechnung…". Hier kürze ich mal wieder.


Wichtig für den weiteren Verlauf ist nun die Aussage von Hannelore von den User Operations von Fezbuk (ab jetzt kürze ich das mal auf HaVoDUsOpVoFebu ein, ist ja sonst eine elendige Schreiberei), daß sie sich für den Ausweis bedankt. Aber hartnäckig, wie HaVoDUsOpVoFebu nun mal war, beharrte Sie auf Gas- oder Wasserrechnungen. Das ist jetzt nicht gespaßt oder erfunden! Also haben wir wieder HaVoDUsOpVoFebu geantwortet und ihr erneut gesagt, daß wir kein Unternehmen sind und es eine rein private Seite ist.

Viele Tage hörten wir nichts mehr von HaVoDUsOpVoFebu, aber am sechsten Tage kam HaVoDUsOpVoFebu dann wieder aus der Deckung:

"Hallo,

Leider können wir Dir keinen Zugriff auf dieses Konto geben oder weitere Maßnahmen ergreifen. Unsere Systeme haben festgestellt, dass das Konto geknackt wurde. Um die Informationen in dem Konto zu schützen, haben wir Dich gebeten, uns eine Kopie Deines amtlichen Lichtbildausweises zu schicken.

Nachdem Du keinen gültigen Ausweis vorgelegt hast, der mit den Daten in dem Konto übereinstimmt, können wir nicht bestätigen, dass das Konto Dir gehört…" Hier kürze ich mal wieder.

Soso, wir hatten also keinen passenden Ausweis gesendet. Wofür hatte sich denn HaVoDUsOpVoFebu Tage zuvor noch bedankt? Na gut. Sind ja doch viele Tage dazwischen und man kann ja nicht alles im Kopf behalten. Bei HaVoDUsOpVoFebu laufen ja sicher auch noch andere wichtige Fragen auf. Also haben wir HaVoDUsOpVoFebu wieder geantwortet und zum dritten Mal den Ausweis gesendet. Außerdem haben wir auf die Danksagung aus der vorigen Mail hingewiesen und falls HaVoDUsOpVoFebu kurzsichtig ist, haben wir die Passage auch noch in 24 Punkt und fett rot eingefärbt zugesendet.

Für die, die noch entspannt mitlesen, hier die Reaktion von HaVoDUsOpVoFebu einen Tag später:

"Hallo,
Danke für Deinen Ausweis. Bitte füge außerdem eine amtliche Registrierungsbescheinigung oder einen anderen Nachweis Deines Unternehmens bei, wie z. B.:

    • Gas-, Wasser- oder Stromrechnung
    • Lokale Gewerbeerlaubnis (ausgestellt von Deiner Stadt, Deinem Landkreis, Deinem Bundesstaat usw.)
    • Steuerabrechnung- Gründungsurkunde (für eine Partnerschaft)
    • Gesellschaftssatzung (für ein Unternehmen)
    • Schriftliche Bestätigung von dem Unternehmen oder der Organisation mit einem Briefkopf, der darauf hinweist, dass dieses Konto gehackt wurde ...". Auch hier kürze ich mal wieder.


Falls es jemandem bekannt vorkommt: ja, das ist der Text aus einer vorigen Mail. Meine Vermutung ist, daß HaVoDUsOpVoFebu gar keine echte Person ist. Ich glaube, hier hat Fezbuk vielleicht den Sohn eines Nachbarn des Firmengründers, der ihm noch einen Gefallen geschuldet hat, ein Programm für die User Operations schreiben lassen, um die teuren echten Menschen einsparen zu können. Man munkelt ja, daß die Investoren von Fezbuk so gar nicht mit dem Verfall des Aktienkurses zufrieden ist. Vielleicht sah sein Pflichtenheft so aus: "Schreibe ein Programm, daß den Anschein erweckt, es wäre von einem bezahlten Menschen geschrieben und reize die Absender mit einer derartigen Ignoranz, daß sie von selbst jeden weiteren Kontakt abbrechen."

Auf jeden Fall hat der Junge, nennen wir ihn mal Seppel, gute Arbeit geleistet. Mal sehen, ob das dem Aktienkurs von Fezbuk hilft - aber ich schweife ab. Kommen wir zurück zu HaVoDUsOpVoFebu. Ich habe tatsächlich noch eine Mail an HaVoDUsOpVoFebu gesendet. Das ist nicht gelogen! Ich habe es nochmal getan! Allerdings glaube ich, daß ich ein wenig unhöflich war. Ich glaube, ich habe von HaVoDUsOpVoFebu verlangt, daß sie die Mail an jemanden weiterleiten soll, der Deutsch lesen und verstehen kann. Vielleicht hätte ich das nicht tun sollen. In dem Programm von Seppel ist nämlich ein Unflätigkeitssensor eingebaut, der automatisch die Fezbuk-Seiten des Senders löscht. Jo, und das ist dann auch prompt passiert. Sehr gute Arbeit, Seppel!

Es ist nun ein wenig Schade um die vielen Berichte, Photos und - vor allem - Eure Kommentare. Wir haben uns immer sehr gefreut, wenn wir etwas kommentiert bekamen oder ihr euch über die Nachrichten und Bilder gefreut habt. Das ist jetzt alles WECH! Weil das Konto von einem bösen Iraner gehakt wurde und Seppels Unflätigkeitssensor zugeschlagen hat. Aber! Wir versuchen uns nochmal auf das glatte Eis der Soschial Netwörks einzulassen und probieren mal Google+ aus. Ist eh' viel besser. habe ich immer schon gewußt. Sobald wir das was auf die Beine gestellt haben, bekommt Ihr Bescheid. In jedem Fall geht es mit unserer Webseiten-Berichterstattung weiter wie bisher. Achja, und noch was: ab sofort können zu den Artikeln direkt Kommentare erfasst werden. Mal sehen, ob wir das nicht noch weiter ausbauen können.

Falls die Rechtsanwälte von Fezbuk mich nun auf irgendwas verklagen wollen, möchte ich schon jetzt auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren. Diesen Text habe ich unter starken Beruhigungsmitteln geschrieben, die mir Susanne verabreicht hat, als ich nach der letzten Mail von HaVoDUsOpVoFebu jemanden zum Würgen gesucht habe und fast den armen Kellner erwischt hätte, der allerdings noch rechtzeitig in irgendeinen Gang abbiegen konnte, in dem ich ihn aufgrund des Durchmessers nicht mehr folgen konnte.

21.5.2013, 9.100 km von zuhause.

Die Gebirgskette um Bavanat mit ihren schroffen Gipfeln und grünen Hochtälern liegt südlich der großen Salzwüste Dasht-e Kavir und bietet uns eine tolle Fahrt am Morgen, als wir versuchen, die Herberge von Abbas Bazergan in einem Kaff namens Imanzadeh Bazm zu finden. Vorher halten wir in der Ministadt Bavanat am einzigen Kreisverkehr, da wir dort einen Obstladen sichten. Wir werden natürlich ebenfalls gesichtet, und innerhalb weniger Sekunden sind wir in diverse Interviews verwickelt. Die Männer wollen wissen, wo wir herkommen und welche Modelle die Mopeds sind, die Frauen fragen nach meinem Namen. Hat eine ihn erfahren, wird er kichernd wie bei "Stille Post" weitererzählt, sodass ich mich immer wundere, wenn mich wildfremde Mädels mit Namen ansprechen. Sehr witzig ist, dass die Männer immer nur um Thomas´ Motorrad herumstehen, niemals um meines - wenn wir draufsitzen.

Es folgen drei schöne, aber heiße Tage in der Wüstenstadt Yazd, bevor wir die Dasht-e Kavir von Süden nach Norden durchqueren wollen - innerhalb von zwei Tagen, insgesamt um die 780 km. 

Einen nächtlichen Zwischenstopp legen wir in der märchenhaften Oase von Gamreh ein. Klasse, als morgens auch noch das Frühstück im Kühlschrank steht, da wir wegen der zu erwartenden Hitze bereits um halb sechs auf den Motorrädern sitzen - kurz vor einem herrlichen Sonnenaufgang in der Wüste. Nach einer Stunde wird aus der Straße eine Schotterpiste mit Sandverwehungen, auf der ich die Alp gleich mal ablege. Im Sand kann ich einfach nicht mit dem schweren Dingen hantieren und ich habe die Pappen auf, tue mir aber glücklicherweise nicht weh. Die Alukoffer, die den Schaden von mir abhalten, sind ebenfalls ganz unversehrt Es bleibt auch bei dem einen Hinfaller, und die restlichen 40 km ziemlich versandete Piste gehen dann so irgendwie, bis wieder fester Boden folgt. Asphalt kann manchmal die größte Freude eines Tages sein …

29.05.2013, Ashgabat/Turkmenistan, 10.500 km

Dies ist nur ein kleiner Zwischenbericht, den wir einschieben müssen, weil es uns gerade so saugut geht. Wir sitzen hier im Hotel Nissa bei der besten Pizza unseres Lebens, daneben ein Efes-Pils. Vorher am Swimmingpool gab es noch ein gekühltes Glas Pinot Grigio bei 39 Grad. Vielleicht denkt der eine oder andere, das sind ja Alkoholiker, aber wenn man vier Wochen bei Reis mit Grilltomate/Kebab und Lemon-Bier verbracht hat, dann ist es ein Hochgenuss die Annehmlichkeiten der italienischer Winzer zu geniessen.

Welchen Hintergrund das hat, werden wir später nachschieben. Wir müssen das ganze erstmal selber verdauen.

Warum Weltraumbahnhof? Als wir von den Bergen nach der Grenze herunterkamen und den ersten Blick auf Ashabat werfen konnten, kam uns unweigerlich dieser Vergleich in den Sinn. Jeden Moment könnte hier eine Raumstation abheben. Die Bauten sind so gigantisch, dass wir uns an Gullivers Reisen erinnert fühlen und uns geschrumpft vorkommen. Es sieht hier aus wie auf dem Planeten Naboo der Star Wars Episode I. Es ist einfach unfassbar. Umso trauriger ist es, dass wir euch keine Bilder von dieser Stadt schicken können. Wir dürfen hier in Turkmenistan keine Bilder von öffentlichen Gebäuden machen. Daran werden wir uns auch halten. Aber wenn wir in Usbekistan sind, gibt es wieder was für die Augen. Bis dahin müßt ihr eure Phantasie anstrengen!

Ebenfalls 29.05.2013, etwas früher am Tag

Nachdem wir einige Tage am Kaspischen Meer verbracht haben, schlagen wir den direkten Kurs nach Osten ein, um bei Bajgaran die Grenze vom Iran nach Turkmesistan zu passieren. Unsere letzte Nacht im Iran verbringen wir in Shirvan, einer alten Stadt an der Seidenstraße, die in einem riesigen Talkessel liegt. Da wir uns vor den Nachmittagstemperaturen fürchten, stemmen wir uns ohne große Jammerei am Morgen aus den Betten und sitzen um 6 Uhr auf den Motorrädern. Die Luft am Morgen ist herrlich, genauso wir die tolle Atmosphäre, wenn der Tag anbricht und die Hügel in diesigem Licht liegen. 160 km fahren wir durch die absolut einsame und märchenhafte Landschaft zur Grenze, schroffe Berge wechseln ab mit unwirklichen Dörfern in vereinzelten Oasen und blühenden Mohnfeldern. Kein Schild weist darauf hin, dass die Hauptstadt Turkmenistans, Aschgabat, nur 70 km entfernt liegt, als wir die Grenzstation um 8 Uhr morgens erreichen.

Erster Stopp an einem Dorfposten, noch auf iranischer Seite. Thomas muss einen Koffer öffnen, man ist gewohnt freundlich zu uns und pinselt irgend etwas in unsere Carnets hinein. Die Zuständigkeiten sind bei diesem offiziellen Akt allerdings intern nicht vollkommen geklärt. Dann werden wir 2 km weiter geschickt.
Wir bekommen zunächst den iranischen Ausreisestempel in die Pässe gedrückt, an anderer Stelle die Mopeds aus dem Carnet gestempelt. Dann geht es zur Fahrzeugdesinfektion, was sich so darstellt, dass wir das Motorrad auf ein Gatter fahren, ein Beamter zehn Dollar von jedem kassiert und uns sagt, wir sollen über die Grenze dahinter rollen. Das war ja einfach und nichts ist nass geworden. Schwupps, und sind wir glücklich und desinfiziert durch das Grenztor gerollt. Uns fällt ein Felsblock vom Herzen, wir werden das bei Gelegenheit erkären.

Aha, der turkmenische Grenzposten naht. Ebenfalls nichts los hier, ein paar turkmenische Familien haben im Iran hauptsächlich in Sachen Teppich Geschäfte gemacht, und Thomas verschwindet mit den Pässen in einem Haus, während ich auf die Motorräder acht gebe. Wir werden angewiesen, in einem anderen Haus zusammen mit den Pässen vorstellig zu werden. Der Beamte fragt uns, auf welcher Strecke wir bis zur Ausreise aus Turkmenistan unterwegs sein werden, wir haben zwei Straßen durchs Land zu Auswahl, mehr gibt es auch gar nicht. Wir wollen der Seidenstraße nach Buchara folgen. Er fragt uns auch, in welchen Hotels wir genau schlafen wollen: Für die zweite und dritte Nacht von dreien haben wir keinen Plan, also nennt er uns einfach eines. Das ist Thomas aber zu windig, wer weiß, was das für eine Kaschemme ist, also kramt er fix den Reiseführer raus und wir einigen uns mit dem Ofiziellen auf ein anderes Gasthaus, bevor wir an einer Tür in der Halle klingeln sollen. Mittlerweile ist mein Kopfschal in einem Sessel gelandet ... wie herrlich! Eine Frau öffnet und kassiert umgerechnet 15 EUR, wohl fürs Klingeln, der Rest erschließt sich uns nicht. Es gibt allerdings zwei Zettel.
Wir werden weiter geschoben, wir beginnen uns wie in einem Gesellschaftsspiel zu fühlen, was die ganze Sache ziemlich kurzweilig macht. Hinter dem nächsten Türchen poltert ein turkmenischer Beamter auf Russisch herum, und ich kann erste Worte anwenden. Hauptsächlich redet er aber. Ein Schreiber notiert, was wir jetzt alles bei ihm kaufen werden:

  1. Desinfektion (nochmal, sicher ist sicher)
  2. Straßenbenutzungsgebühr als Kompensation zum Benzinpreis von 20 Cent
  3. KFZ-Versicherungen
  4. Zollformulare
  5. Zettel, auf dem sorgfältig unsere Route eingemalt ist
  6. Diverses

Zahlen müssen wir in der Bank gleich ums Eck, die sich aber nur als Türchen entpuppt. Hinter diesem Türchen sitzt der polternde Turkmene, nun in Form eines Bankangestellten, und kassiert die Gebühr von insgesamt 108 EUR (glücklicherweise wussten wir vor der Reise bereits davon).
Es folgt: die Desinfektion. Dazu ziehen wir weiter in ein Zimmerchen, in dem eine freundliche Dame sitzt. Hinter ihr auf einem abgewrackten Schrank steht ein altes Mikroskop mit zwei unterschiedlich langen Okkularen für das rechte und das linke Auge (?), zur Veranschaulichung liegt auf dem Präparathalter eine Plastiktraube, wie man sie oft in den Auslagen von Metzgereien findet.

Die Dame lächelt uns zu, drückt ihren Stempel in zwei der Sammelzettel, und wir sind desinfiziert.
Weiter geht´s in ein anderes Häuschen, und ein lustiger Mann, der meine russischsprachigen Bemühungen anzuerkennen weiß, stellt Zollformulare aus. Und meint, jetzt nur noch raus zur Gepäckkontrolle, und zwar flott, denn es ist halb eins und um eins machen die hier Mittag. Beflügelt durch diese Aussage, sind wir in Windeseile bei unseren Motorrädern, die inzwischen von einem netten alten Cockerspaniel, seines Zeichens Drogenhund, abgeschnüffelt wurden.
Absolut bereitwillig öffnen wir Taschen und Kisten, hauptsächlich werden Waffen gesucht, auf deren Besitz schwere Strafen stehen. Wir erfahren, dass Tage zuvor ein holländisches Paar diese Grenze passiert hat und seine Waffe bekloppterweise unterschlagen hat – die aber später im Land irgendwie entdeckt wurde. Die Folge für die kontrollierenden Beamten war das Gefängnis, über das Schicksal des holländischen Paare ist uns nichts bekannt ... wir wünschen ihnen viel Glück ...
Nachdem die Zöllner unsere Campingausrüstung inspiziert haben (besonders angetan sind sie von Thomas´ Messer und unseren Klappstühlen), sind wir entlassen. Ein Offizier fragt uns noch, warum wir denn herumreisen, das gäbe doch nur Probleme: Probleme mit der Sprache, Probleme mit den Grenzformalitäten, er kann es nicht verstehen.
Nach 4,5 Stunden, die absolut kurzweilig waren, durchqueren wir das iranisch-turkmenische Gebirge und sehen nach einer Weile in der Ferne die riesige Utopie-Stadt Aschgabat in weißem Marmor leuchten.

Hochtal am Damavand in der Nähe von Teheran auf 3.000 m.Der Damavand hat eine Höhe von über 5.600 m.Strandleben am Kaspischen Meer. Volleyball muss auch mit Kopftuch gehen....Iranisches Luxushotel Narenjestan am Kaspischen Meer. Durch die ...Abschied vom Hotelpersonal, auch der Fotograf der Narenjestan-Gruppe durfte nicht fehlen, garantiert sind wir in der nächsten Ausgabe der Hauszeitung vertreten.Verbrannte Birne auf Mopped.Erstes Haus am Platze in Minudasht, das Hotel kommt allerdings noch mit dem Charme der 60er daher.Sicherer Schlafplatz für die Motorräder: die Hotellobby.Ausfahrt am nächsten Morgen.Das ist in Deutschland nicht vorstellbar, dafür gibt´s aber auch mehr Garagen :-).Die Stadt Shirvan mit Blick auf das Grenzgebirge nach Turkmenistan.Abendstimmung - in den Randbezirken geht es zu wie in alten Zeiten.Powershopping.Teetrinken an jeder Ecke ... mittlerweile steigt die Temperatur auf über 30 Grad.Turkmenistan. Jenseits der südlichen Berge gibt es einen schmalen fruchtbaren Landstreifen.Ohne die Hyperkewl-Westen zum Körper kühlen geht nichts mehr ...... solange wir noch die Wüsten wie die Kysylkum durchfahren, müssen wir uns mit Nachmittagstemperaturen um die 40 Grad herumplagen, wenn wir nicht schnell genug sind!Charaktervolle Weggefährten.

Von Turkmenistan nach Buchara

04.06.2013 - über 11.000 km

Als wir am Morgen im Hotel in Aschgabat vom Frühstück kommen, wundern wir uns über die am Eingang vorfahrenden Staatskarossen, allesamt mit Standarten ausgestattet. Herren in Anzügen und Scheichs in Gewändern entsteigen den blinkenden Wagen und versammeln sich zunächst in der Lobby. Wir sichten auch die deutsche Abordnung und erfahren, dass hier heute eine Konferenz tagt, zu dem auch der türkische Staatspräsident erscheint. Wir vermuten, dass es um Gasgeschäfte geht, denn davon hat Turkmenistan genug anzubieten. Es ist schade, dass wir aufgrund des Fotoverbots auf dem Parkplatz keine Bilder machen dürfen, denn inmitten der wartenden Chauffeure mit ihren Karossen stehen unsere verstaubten Motorräder und werden begutachtet.

Wir nehmen entspannt, da unwissend, die 400 km lange Stecke bis zur Stadt Mary unter die Räder. Die Entspannung legt sich schnell, eine solch schlechte Straße über eine so lange Distanz sind wir noch nicht gefahren. Tiefste Schlaglöcher, die nur Slalom zulassen, dazu Spurrillen im von der Hitze aufgeweichten Asphalt lassen eigentlich nur Schleichfahrt zu. Wenn wir mal Gas geben, wird das gleich mit materialmordendem Klötern unserer Maschinen quittiert. Und das bei wüstenartiger Steppenlandschaft und stetig steigender Temperatur. Wir sind immerhin mit unseren klatschnassen Hyperkewl-Westen unterwegs, das hält die Hitze vom Körper ab (solange das Wasser nicht verdunstet. Danke an Stéphane, ohne die Dinger wäre es viel schwerer gewesen!).

Es dauert nicht lange, da höre ich ein wirklich ungewohntes Geräusch unter mir. Der linke vordere Kofferträger ist gebrochen. Wir halten in einem Dorf und fragen den Erstbesten, der herumsteht, ob er weiß, wo man das reparieren kann. Dazu baut Thomas das Teil ab, und der Mann verschwindet damit in der nächsten (!) Hofeinfahrt. Und kommt nach drei Minuten mit dem geschweißten Teil wieder raus. Wir sind ihm so dankbar, dass wir weiterfahren können! Preis dafür: umgerechnet 5 EUR.

Nach weiteren 100 km Holperhorror bricht dann der linke vordere Kofferhalter. Leute, die Hepco & Becker-Träger sind nicht stabil genug für solche Strecken! Diesmal ist kein Schweißer in der Nähe, und wir sichern das Dingen mit einem Gurt. Irgendwann kommen wir in Mary an … und bleiben den nächsten Tag einfach auch noch hier, um uns und das Motorrad zu pflegen. Immerhin haben wir ja ein Drei-Tage-Visum. Morgens also erstmal zum Schweißer um die Ecke, der die Sache wieder fixt und mit dem wir noch Tee trinken. Später am Tag macht Thomas einen mittlerweile wieder fälligen Motorradservice auf dem nun schattigen Parkplatz vor dem Hotel, bei dem wir feststellen, dass mein Hinterrad gewaltig Luft lässt. Und damit am nächsten Tag durch die andere Hälfte der Halbwüste bis nach Usbekistan? Auf keinen Fall, unser Verdacht, dass sich bei der Mörderstrecke der Flicken aus der Türkei gelöst hat, bestätigt sich, nachdem Thomas das Rad ausgebaut und mit einem angehaltenen Wagen zum nächsten Reifenmann gefahren ist. Der verpasst dem Schlauch gleich mal einen turkmenischen LKW-Flicken, von dem er sagt: "Der macht alles mit!". Die deutsche Flicken taugen hier nichts, meint er noch zu Thomas.

Die Strecke am nächsten Tag ist glücklicherweise besser als erwartet, und irgendwann stehen wir an der turkmenisch-usbekischen Grenze. Denken wir. Aber die offiziell anmutende Bude am Straßenrand, inmitten dutzender wartender LKW, ist zunächst dazu vorgesehen, die Brückengebühr für die Überquerung des breiten Amurdarja abzukassieren. Und zwar richtig, zumindest von uns. 

Wir entdecken noch, dass der rechte Kofferträger an der Schweißnaht von gestern wieder gebrochen ist, egal jetzt, Gurt drum, darum kümmern wir uns später in Buchara.

Nach einer weiteren Stunde Fahrt erreichen wir Buchara, ein weiterer Traum aus 1.000 und einer Nacht nach den Städten im Iran! Untergekommen in einer fast 300 Jahre alten, zur Herberge umbebauten Medrese (ursprüngliche Philosophieschule), fühlen wir uns wie Prinzen - so schnell geht es vom Dreck der Straße in traumhafte Städte hier! Wir werden in den nächsten Tagen die Umgebung erkunden, alles macht einen lebendigen, fröhlichen Eindruck hier und das Stadtzentrum Bucharas lockt mit orientalischer Schönheit. Allerdings herrschen gerade affenartige Temperaturen, um die 40 Grad am Nachmittag, so dass wir uns dem Verhalten der Bevölkerung anpassen und zwischen 12 Uhr und 17 Uhr nichts machen. In Aschgabat lernten wir einen netten Engländer kennen, der mit seiner BMW von London nach Australien unterwegs ist und mit dem wir einige Tage in derselben Herberge hier in Buchara verbringen und eine Menge Spaß haben.

JSN Epic template designed by JoomlaShine.com