Wir brauchen Wasser, der Tank ist so gut wie leer. Tankstellen haben hier keine Wasserhähne wie bei uns in Europa, und auffällig viele Kamele statt wasserverschlingender Kühe und Pferde lungern auf der Straße herum. Trockene Steppe, soweit das Auge reicht, kein grünes Blatt zu sehen. Dafür wird in jedem auch noch so kleinen Kaff - die so ca. alle 90 km entlang der Strecke auftauchen - das kasachische Familienauto gekärchert, was das Zeug hält. Am zweiten Waschsalon, an dem wir halten, haben wir Glück, der Kärcher wird abgekoppelt und der triefnasse Besitzer füllt uns den Tank, immerhin halbvoll. Preis: ein Beutel Kirschen aus Aserbaidschan, übers Meer gerettet.
Und dann kommt Beyneu. Vielmehr die Piste hinter Beyneu, denn der Ort an sich ist nicht sonderlich erwähnenswert. Staubige Häuser, eine Eisenbahnstation, ein oder zwei Hostels für Gestrandete, ein kleiner Markt. Und die miese Streckenbeschreibung erfüllt sich doch noch. Die Piste ist nicht befahrbar, die Schlaglöcher - vielmehr Schlag-Krater - sind zu tief. Wir eiern also bald links, bald rechts durch sandige Spuren, Senken und unter tiefhängenden Leitungen hindurch, kommen kaum vorwärts. Immer an der Bahnlinie entlang, haben wir die freie Wahl der Strecke. Wir beobachten alle, die parallel auf einer der zwei bis sechs Pisten fahren, das sind nicht viele, die hier unterwegs sind, wen wundert´s, aber sind sie schneller oder langsamer als wir? Die machen natürlich das gleiche, gucken, wie die anderen voran kommen, und so gibt es ein munteres Pistenkreuzen für die nächsten 95 km. Dafür brauchen wir so um die vier Stunden.
Durchgerüttelt erreichen wir am Abend die usbekische Grenze. Ganze Camplager sind hier errichtet von usbekischen Einreisenden: Teppiche und Decken auf dem Boden, alte Leute mit Thermoskannen, Männer, die auf ihren Autos zwischen Bergen von Gepäck herumklettern oder müde am Wegrand sitzen und rauchen. Die Einreise dauert für manche von ihnen drei Tage, was für eine Tortur hier mitten im Niemandsland. Alles wird gefilzt.
 Wir werden bevorzugt behandelt, müssen nur ein paar Stunden warten, weil und der Zöllner vorlässt. Das ist so peinlich, wenn man an all den wartenden Familien vorbeigewunken wird! Aber drei Tage warten will ja auch keiner …
Nachdem dann mein Pass von einem Zöllner zum anderen gereicht wird, ist er schließlich weg. Keiner hat ihn in der Tasche. Gut, erstmal den LKW filzen lassen. Nach einer Stunde taucht mein Pass wieder in einem der Häuschen auf. Gut, dann rüber nach Usbekistan. Oh, unser Visum ist erst ab morgen gültig? Und es ist erst 19 Uhr? Alles Blödstellen hilft nicht; ich tue so, als würde ich nicht verstehen, aber der Verantwortliche meint mit einem Grinsen aus goldgefülltem Munde auf russisch: „Du verstehst mich ganz genau!“ Stimmt :-) Also für die nächsten fünf Stunden - bis Mitternacht - neben dem Militärlaster im Niemandsland Posten beziehen und dösen.
Mangels Visa sind wir also den turkmenischen Straßen entkommen, haben uns dafür die endlosen Straßen bis Chiva von Westen kommend eingehandelt.
 
Aber die Belohnung folgt! Wir erreichen am nächsten Tag Chiva, die alte Stadt an der Seidenstraße, die wie aus dem Märchenbuch daherkommt und uns verzaubert. Da fällt sogar die lähmende Hitze kaum ins Gewicht! Immerhin liegt die Stadt in einem fruchtbaren Streifen, und so gibt es erfrischendes Grün, Wasserläufe, Brunnen und schöne Teehäuser, in denen wir abhängen können und dem Straßentreiben in der Altstadt zuschauen. Der schönste Teil des Tages ist, wenn die Sonne hinter der alten Statmauer untergeht - die Schwalben kurven waghalsig zwischen Minaretten und Türmen, fliegen noch für ein paar Minuten gemeinsam mit den erwachenden Fledermäusen und die erfrischende Nacht bricht herein. Das ist die Zeit, in der wir entspannt essen, trinken und erzählen können.
Usbekistan ist reich an diesen alten Stadt-Perlen: Es folgen auf unserem Trip Buchara und Samarkand, wir sind in Sachen Kultur unterwegs, reden mit den Leuten und erfahren viel über ihre Lebensart mitten in der Wüste und doch mitten im Grün.

 

Grenzübergang in der Wüste - Kasachstan/UsbekistanEastern-IdylleRuhiges Plätzchen für die NachtSeidenstrasse in der ÜbersichtVor der Stadtmauer ChivasKalta-Minor in Chiva - sollte eigentlich den Turm in Buchara übertreffenSeidenraupen-KokonsStolzes Fabrikanten-PaarEnglisch-Klasse bei Ausflug - und wir sind das ÜbungszielChivas ZentrumHandwerkskunstIm Teehaus FaroukAuch im Teehaus FaroukIchan-Qal'a, die historische Altstadt ChivasSusani-Stickerei - typisch für Usbekistan: Seide auf BaumwolleGefärbte SeideUZB-17.jpgBei der Arbeit ...Tankstop auf dem Weg nach Buchara - Benzin ist kaum erhältlichBuchara: Labi XauzVor der Medrese Ulug'bekWahrzeichen Bucharas: Kalon-Moschee mit MinaretGetroffen in Buchara: ScheherazadeNoch 'ne MoscheeAuslage des hiesigen TepichhändlersMüder Krieger - ausgekämpftSchlafplatz Samarkand vor dem Mausoleum Go'ri AmirSeiden-Troddelgedöns im Garten des Antica-GuesthouseAntje und SusanneBeeindruckend!Registan in SamarkandEtwa 12 EuroUsbekische Familienbekanntschaft

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